Der schwäbische Barockwinkel

Günzburg Frauenkirche Innenraum

So hoch wie in kaum einem anderen Teil der Republik ist die Dichte an barocken Kirchen, Klöstern und Schlössern in Bayerisch-Schwaben. Und genau diese Eigenheit hat der Region den Namen Schwäbischer Barockwinkel eingebracht. Dabei ist es allerdings vor allem der Landkreis Günzburg, der durch viele der wunderbarsten Barockbauten nördlich der Alpen besticht. Beste Voraussetzungen also, um ausgehend vom Hotel Zettler die Region auch architekturgeschichtlich zu erkunden.

Katholizismus und Rivalität

Begründet liegt die hohe Barockbautendichte in einer Verkettung von Faktoren und der allgemeinen Entwicklungsgeschichte des Barocks. Die vor allem katholisch geprägte Region versuchte bereits nach dem Einsetzen und den ersten größeren Erfolgen der Reformation durch das Errichten herrlicher Bauwerke Zeichen gegen die neue Religionsgemeinschaft zu setzen. Aus zaghaften Bautätigkeiten entsprang in der Folge des Dreißigjährigen Kriegs ein reges architekturales Treiben, da auch in Bayerisch-Schwaben eine Vielzahl von sakralen Gebäuden der Zerstörung und Plünderung zum Opfer fiel, die Region jedoch relativ schnell wieder zu Wohlstand fand und aufwändige Bauvorhaben zügig finanziert werden konnten. Zudem fanden sich im heutigen Bayerisch-Schwaben zu jener Zeit mehrere rivalisierende Parteien auf engstem Raum, die sich alle durch jeweils noch prächtigere Gebäude zu übertrumpfen versuchten.

So entstanden rund um Günzburg Bauwerke, die sich von der strengen Formsprache der Renaissance und dem nüchternen Stil des Protestantismus entschieden abwendeten, die durch geschwungene Kuppelformen, belebte Fassaden- und Innenraumgestaltungen, einen opulenten Bilderschmuck sowie satte Ornamente, die zwischen Gold- und leichten Pastelltönen bis hin zum Reinweiß changieren, und meist gleißend helle Lichtführung auszeichnen.

Beispiele des Schwäbischen  Barockstils

Unter den vielen besuchenswerten Barockkirchen der Region sei hier nur auf einige der vielleicht schönsten hingewiesen:

Kloster Edelstetten

Da ist einerseits das Kloster Edelstetten zu nennen, das sich durch gleich mehrere herausragende barocke Bauwerke auszeichnet. Während die Gesamtanlage vom berühmten Vorarlberger Architekten Michael Thumb um 1700 entworfen wurde, schuf der Benediktinerbaumeister Pater Christoph Vogt um 1710 die herrliche Kirche St. Johannes Baptist und Johannes Evangelist an als Südabschluss des Kanonissenstifts.

Einstmals für das Kloster Wettenhausen nur wenige Kilometer nördlich von Edelstetten, schuf ebenjener Michael Thumb, Ahnherr der berühmten Architektenfamilie, die Stiftskirche Mariae Himmelfahrt, die in all ihrer Opulenz heute der Gemeine Kammeltal als Pfarrkirche dient.

Eine weitere Anlage, die einen Besuch wert ist, ist das erhaben große Kloster Roggenburg im Landkreis Neu-Ulm mit seinen vielen Gebäuden im barocken Stil, deren Herzstück, die Klosterkirche, zwischen 1752 und 1758 von Simpert Kraemer errichtet wurde.

Auch unter den Wallfahrtskirchen sind drei herausragende Bauten zu nennen.
Für Scheppach entwarf Simpert Kraemer die kleine Wallfahrtskirche Allerheiligen, die jedoch schließlich auf der Basis von Zeichnungen Joseph Dossenbergers des Jüngeren fertiggestellt wurde.

Wallfahrtskirche Allerheiligen Scheppach

Die Pfarrgemeinde Heilig Kreuz Mindelzell feiert ihre Messen in einer 1750 von Johann Kaspar Radmiller erbauten Wallfahrtskirche, die nicht nur zu den imposantesten Rokokobauten Süddeutschlands zählt, sondern in der auch Partikel des Kreuz Christi verehrt werden.

Weniger berühmt, aber dennoch einen Besuch wert, ist auch die Wallfahrtskirche Maria Vesper in Ziemetshausen. Neben den Kirchen von Deubach und Deisenhausen und der Stadtpfarrkirche St. Michael in Krumbach ist es vor allem die Frauenkirche Günzburg (Zu Unserer Lieben Frau; hier lesen sie mehr dazu), die mindestens einen Besuch wert ist, gilt sie doch als eines der Haupt- und Schlüsselwerke des berühmten Dominik Zimmermanns.